Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist im Prinzip eine Weiterentwicklung der Riester-Rente. Sie sparen privat für die Rente und bekommen staatliche Förderung – aber mit einem entscheidenden Unterschied: Ihr Geld landet nicht mehr in oft teuren Versicherungsprodukten, sondern direkt in Fonds, ETFs oder Anleihen.
Geplant ist, dass Sie das Depot bei Banken, Neobrokern, Fondsgesellschaften oder auch Versicherern eröffnen können. Das Modell besteht aus zwei Phasen: In der Ansparphase investieren Sie regelmäßig Geld. Später in der Auszahlungsphase, also im Ruhestand, bekommen Sie Ihr Guthaben ausgezahlt.
Die neue Förderung: So funktioniert das Matching-Prinzip
Der größte Unterschied zur Riester-Rente liegt in der Förderung. Der Staat legt auf jeden eingezahlten Euro noch mal 50 Cent oben drauf – bis zu 360 €. Wenn Sie mehr als 360 € sparen, erhalten Sie 25 Cent pro Euro. Insgesamt bekommen Sie damit bis zu 540 € staatliche Förderung pro Jahr. Diese Förderung fließt direkt in Ihr Depot und wird automatisch mitinvestiert.
Konkretes Rechenbeispiel
Eine alleinstehende Person zahlt 150 € im Monat ein, also 1.800 € im Jahr:
- Für die ersten 360 € gibt es 50 % Förderung = 180 €
- Für die restlichen 1.440 € gibt es 25 % = 360 €
- Insgesamt: 540 € Förderung pro Jahr
Das ist deutlich mehr als bei der klassischen Riester-Rente.
Familien profitieren besonders: Die Kinderzulage
Pro Kind gibt es eine Zulage von 300 € pro Jahr – und das schon ab einem Eigenbeitrag von nur 25 € im Monat. Das bedeutet: Der Staat verdoppelt Ihren Beitrag bis zu dieser Grenze pro Kind. Eine vierköpfige Familie kann so schnell auf über 1.000 € Förderung jährlich kommen.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Für viele lohnt sich das neue Modell deutlich mehr – besonders wenn Sie eine Familie haben, durchschnittlich oder gut verdienen oder selbstständig sind. Denn Selbstständige können erstmals die staatliche Förderung nutzen, was bei der Riester-Rente nicht möglich war.
Etwas weniger profitieren dagegen Geringverdiener und Menschen, die weniger als 25 € im Monat sparen können, sowie Personen, die kurz vor der Rente stehen.
Die 7 Vorteile gegenüber der Riester-Rente
1. Deutlich geringere Kosten
Riester-Produkte kosten oft 1,5 bis 2,5 % der eingezahlten Beiträge pro Jahr. Ein ETF liegt dagegen eher bei 0,1 bis 0,2 %. Bei 25.000 € Guthaben und 20 Jahren Laufzeit können Sie so rund 15.000 € an Kosten sparen.
2. Höhere Förderung
Statt 175 € als feste Grundzulage bekommen Sie jetzt bis zu 540 € jährlich – etwa das Dreifache, abhängig von Ihrem Beitrag.
3. Volle Aktienquote ist möglich
Beim Riester-Modell mussten Anbieter garantieren, dass sie zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge zurückzahlen. Das hat die Rendite deutlich ausgebremst. Im neuen Modell können Sie bis zu 100 % in ETFs investieren. Wer dennoch freiwillig Sicherheit möchte, kann ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 % Beitragserhalt wählen.
4. Steuerfreie Ansparphase
Während der Ansparphase fallen keine Steuern an – keine Abgeltungsteuer, keine Steuern auf Dividenden, keine Vorabpauschale. Besonders wichtig: Das Umschichten zwischen Fonds ist komplett steuerfrei.
5. Flexible Auszahlung
Im Gegensatz zur Riester-Rente sind Sie nicht mehr an eine feste Verrentung gebunden. Sie wählen zwischen einem Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr, einer lebenslangen Rente oder einer Kombination aus beiden. Außerdem können Sie bis zu 30 % als Einmalbetrag entnehmen.
6. Kein Versicherungsmantel
Bei der Riester-Rente steckte das Geld oft in fondsgebundenen Rentenversicherungen mit zusätzlichen Versicherungskosten. Im neuen Depot entfällt das vollständig.
7. Deutlich bessere Renditechancen
Wie groß der Unterschied wirklich sein kann, zeigen diese drei Beispiele:
| Person | Altersvorsorgedepot | Riester-Rente |
|---|---|---|
| Sara, 35 J., 100 €/Monat bis 67 | ~111.528 € | ~51.760 € |
| Markus, 60 J., kurz vor Rente | ~8.295 € | ~7.042 € |
| Nina, 41 J., 2 Kinder, 25 €/Monat bis 67 | ~33.850 € | ~15.729 € |
Was Sie beachten sollten
So attraktiv das neue Modell klingt – es gibt einige Punkte, die Sie kennen sollten:
- Wenn Sie vor dem 65. Lebensjahr Kapital entnehmen möchten, müssen Sie Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.
- Auszahlungen im Rentenalter fallen unter Ihren persönlichen Einkommensteuersatz – der kann höher sein als die Abgeltungsteuer bei einem privaten Depot.
- Die Kosten sind höher als bei einem privaten ETF-Depot ohne Förderung.
- Es sind nur bestimmte Fonds und ETFs erlaubt. Einzelaktien und Kryptowährungen sind nicht zugelassen.
Ich habe einen Riester-Vertrag – was nun?
Für bestehende Riester-Sparer gibt es ab 2027 drei Möglichkeiten:
Option 1: Nichts mehr einzahlen
Sie zahlen keine weiteren Beiträge ein und Ihr Guthaben bleibt erhalten. Das lohnt sich, wenn Sie die Abschlusskosten bereits abbezahlt haben und ab 2027 parallel ein Altersvorsorgedepot eröffnen möchten.
Option 2: Ins Altersvorsorgedepot wechseln
Sie übertragen Ihr gesamtes Guthaben in ein Altersvorsorgedepot. Zulagen und Steuervorteile bleiben dabei vollständig erhalten. Der Wechsel ist meist kostenlos – in den ersten fünf Beitragsjahren darf der Anbieter maximal 150 € verlangen.
Option 3: Riester-Vertrag behalten
Ihre bisherige Riester-Förderung mit festen Zulagen und Beitragsgarantie läuft unverändert weiter. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie kurz vor dem Renteneintritt stehen und der Wechsel kaum noch einen Unterschied macht.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot ist für viele Menschen ein echter Fortschritt. Mehr Förderung, geringere Kosten und deutlich bessere Renditechancen als die Riester-Rente – besonders für Familien, Selbstständige und Durchschnittsverdiener. Wer nur sehr wenig sparen kann oder kurz vor der Rente steht, sollte genau prüfen, ob sich ein Wechsel lohnt.
Quellen & weiterführende Links
- Bundesministerium der Finanzen – Private Altersvorsorge – Offizielle Informationen zur steuerlichen Förderung der Altersvorsorge in Deutschland
- Deutsche Rentenversicherung – Geförderte Altersvorsorge – Überblick über staatlich geförderte Vorsorgeprodukte
