Krankengeld 2026: Berechnung, Höhe und Anspruch
Wer länger krank ist, muss nach den ersten sechs Wochen nicht allein dastehen: Das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sichert das Einkommen, wenn der Arbeitgeber keine Lohnfortzahlung mehr leistet. Doch wie hoch ist das Krankengeld wirklich — und wie lange wird es bezahlt? Dieser Ratgeber erklärt die Berechnung Schritt für Schritt, nennt alle aktuellen Sätze für 2026 und zeigt typische Rechenbeispiele.
Krankengeld vs. Lohnfortzahlung
In den ersten 6 Wochen einer Erkrankung zahlt der Arbeitgeber 100 % des Gehalts weiter (Entgeltfortzahlung). Ab der 7. Woche springt die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein — das ist jedoch deutlich niedriger als das Nettogehalt.
So wird das Krankengeld berechnet
Das Krankengeld richtet sich nach dem sogenannten Regelentgelt — dem beitragspflichtigen Bruttogehalt der letzten abgerechneten Periode vor der Krankschreibung. Aus diesem Regelentgelt werden zunächst zwei Obergrenzen ermittelt; der niedrigere Wert ist maßgebend:
70 %
des beitragspflichtigen Bruttoentgelts (Regelentgelt)
90 %
des Nettoentgelts (Nettovergleichsbetrag)
Gezahlt wird immer der geringere Betrag. Für die meisten Arbeitnehmer gilt daher de facto die 70-%-Brutto-Regel — nur bei sehr hohen Sozialabzügen greift die 90-%-Netto-Schranke korrigierend ein.
Das errechnete Brutto-Krankengeld unterliegt dann noch eigenen Sozialabgaben (ohne KV-Beitrag), sodass das Netto-Krankengeld nochmals um rund 11–12 % niedriger ausfällt.
Beitragsbemessungsgrenze und maximales Krankengeld 2026
Das Krankengeld ist nach oben durch die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt. Einkommen oberhalb dieser Grenze bleibt für die Berechnung unberücksichtigt.
| Kennzahl | 2026 |
|---|---|
| BBG KV/PV monatlich | 5.812,50 € |
| BBG KV/PV täglich (÷ 30) | 193,75 € |
| Max. Brutto-Krankengeld täglich (70 %) | 135,63 € |
| Max. Netto-Krankengeld tägl. (nach ~12 % Abzügen) | ≈ 119 € |
Praxisbeispiel: 4.000 € Bruttogehalt
Tägliches Regelentgelt: 4.000 € ÷ 30 = 133,33 €. Brutto-Krankengeld: 133,33 × 0,70 = 93,33 €/Tag. Nach RV 9,3 % + ALV 1,3 % + PV 1,7 % = 12,3 %: Netto-Krankengeld ≈ 81,85 €/Tag, also rund 2.455 € im Monat.
Welche Sozialabgaben werden vom Krankengeld abgezogen?
Das Brutto-Krankengeld gilt nicht als »Arbeitslohn«, ist aber sozialversicherungspflichtig — mit einer wichtigen Ausnahme: Kein GKV-Beitrag wird abgezogen, denn die Krankenversicherung zahlt ja das Krankengeld selbst.
| Sozialversicherung | Arbeitnehmer-Anteil 2026 | Hinweis |
|---|---|---|
| Rentenversicherung (RV) | 9,30 % | Hälfte des Gesamtbeitrags (18,6 %) |
| Arbeitslosenversicherung (ALV) | 1,30 % | Hälfte des Gesamtbeitrags (2,6 %) |
| Pflegeversicherung (PV) | 1,70 – 2,00 % | Kinderlose zahlen höheren Beitrag |
| Krankenversicherung (KV) | 0 % | Entfällt während des Krankengeldbezugs |
Wie lange wird Krankengeld gezahlt?
Gesetzlich geregelt ist die Bezugsdauer in § 48 SGB V: Für dieselbe Erkrankung hat ein Versicherter Anspruch auf Krankengeld für höchstens 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren (Blockfrist). Davon sind die ersten 6 Wochen Lohnfortzahlung des Arbeitgebers abzuziehen — effektiv bleiben also bis zu 72 Wochen Krankengeld übrig.
6 Wochen
Lohnfortzahlung durch Arbeitgeber (100 % Gehalt)
72 Wochen
Max. Krankengeldbezug (GKV zahlt, ~70 % Brutto)
3 Jahre
Blockfrist (78 Wochen innerhalb von 36 Monaten)
Nach Ausschöpfung der 78 Wochen kann bei rechtzeitigem Antrag Erwerbsminderungsrente oder Bürgergeld als Anschlussleistung beantragt werden. Wer danach wieder arbeitsfähig wird und mindestens 6 Monate beschäftigt war, erhält für dieselbe Erkrankung erneut Krankengeld.
Ablauf: Was muss ich tun, wenn ich krank bin?
Arzt aufsuchen und AU-Bescheinigung ausstellen lassen
Spätestens am 4. Krankheitstag muss eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorliegen. Seit 2023 wird die eAU (elektronische AU) direkt vom Arzt an Arbeitgeber und Krankenkasse übermittelt.
Arbeitgeber informieren
Der Arbeitnehmer muss den Arbeitgeber unverzüglich über die Erkrankung und deren voraussichtliche Dauer informieren — auch dann, wenn noch keine AU ausgestellt ist.
Ab der 7. Woche: Krankengeld beantragen
Die Krankenkasse zahlt das Krankengeld ab dem 43. Tag der Erkrankung automatisch, sofern die AU lückenlos vorliegt. Eine ausdrückliche Antragstellung ist in der Regel nicht nötig, aber ratsam, um den Anspruch zu sichern.
AU-Bescheinigungen lückenlos einreichen
Wichtig: Die AU-Bescheinigungen müssen lückenlos aneinander anschließen. Entsteht auch nur eine Lücke von einem Tag ohne ärztlich bestätigte AU, kann der Krankengeldanspruch erlöschen.
Wer hat keinen Anspruch auf Krankengeld?
Nicht alle gesetzlich Versicherten erhalten im Krankheitsfall Krankengeld. Folgende Gruppen sind ausgeschlossen:
- ✗Beamte (erhalten Beamtenbesoldung weiter und ggf. Beihilfe)
- ✗Mini-Jobber (§ 8 SGB IV), sofern kein Krankengeldanspruch vereinbart
- ✗Selbstständige ohne freiwilliges Krankengeld-Wahlrecht (Tarif P)
- ✗Bezieher von ALG II / Bürgergeld (erhalten Krankengeld erst ab 6 Wochen, Organisation über Jobcenter)
- ✗Studierende (ohne Arbeitsverhältnis)
- ✗Rentner (kein Krankengeldanspruch bei Bezug voller Altersrente)
Krankengeld optimieren: Tipps und Hinweise
Stufenweise Wiedereingliederung (Hamburger Modell)
Wer nach langer Krankheit schrittweise an den Arbeitsplatz zurückkehrt, erhält während dieser Phase weiterhin Krankengeld — selbst wenn wieder stundenweise gearbeitet wird.
Wechsel der Krankenkasse während des Bezugs
Wer während eines laufenden Krankengeldbezugs die Krankenkasse wechselt, hat keine Nachteile — der Anspruch ruht beim Versicherungsverhältnis, nicht bei der Kasse. Ein Kassenwechsel während der Erkrankung ist jedoch nur eingeschränkt möglich.
Verwandte Leistungen
Für Mütter greift das Mutterschaftsgeld (während der Schutzfristen vor und nach der Geburt), das ebenfalls von der Krankenkasse berechnet und ausgezahlt wird, jedoch andere Sätze und Regelungen hat.
