Nettokreditbetrag vs. Bruttokreditbetrag – der teuerste Denkfehler bei Ratenkrediten
Sie brauchen 15.000 EUR für ein Auto und nehmen einen Kredit auf. Die Bank überweist Ihnen 15.000 EUR. Das ist der Nettokreditbetrag – also der Betrag, der tatsächlich auf Ihrem Konto landet.
Was Sie am Ende zurückzahlen, ist eine ganz andere Zahl. Der Bruttokreditbetrag umfasst den Nettobetrag plus sämtliche Zinsen, Gebühren und optionale Versicherungsprämien. Bei einem 15.000-EUR-Kredit über 60 Monate mit 6,9 % effektivem Jahreszins zahlen Sie insgesamt rund 17.700 EUR zurück – also 2.700 EUR mehr als die ausgezahlte Summe.
Genau diesen Unterschied übersehen viele Verbraucher. In der Werbung steht „ab 3,99 %", doch die tatsächlichen Kosten liegen oft deutlich höher.
Warum der effektive Jahreszins der einzige ehrliche Vergleichswert ist
Banken werben mit dem Sollzins (Nominalzins). Der sagt aber nur die Hälfte. Der effektive Jahreszins nach §6 Preisangabenverordnung (PAngV) rechnet alle preisbestimmenden Faktoren ein: Bearbeitungsgebühren, Kontoführungsentgelt, Verrechnungszeitpunkte der Tilgung.
| Kennzahl | Enthält | Vergleichbar? |
|---|---|---|
| Sollzins (nominal) | Nur die reine Verzinsung | Nein |
| Effektiver Jahreszins | Zinsen + alle Gebühren + Tilgungsverrechnung | Ja |
| Gesamtbetrag (brutto) | Nettobetrag + alle Kosten über gesamte Laufzeit | Ja |
Faustregel
Vergleichen Sie Kreditangebote ausschließlich über den effektiven Jahreszins. Wer nur den Sollzins anschaut, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Rechenbeispiel: Was ein 20.000-EUR-Kredit wirklich kostet
| Position | Angebot A | Angebot B |
|---|---|---|
| Nettokreditbetrag | 20.000 EUR | 20.000 EUR |
| Laufzeit | 48 Monate | 72 Monate |
| Effektiver Jahreszins | 5,49 % | 6,99 % |
| Monatsrate | 464 EUR | 341 EUR |
| Gesamtrückzahlung (brutto) | 22.272 EUR | 24.552 EUR |
| Zinskosten gesamt | 2.272 EUR | 4.552 EUR |
Die niedrigere Rate bei Angebot B klingt verlockend – kostet aber 2.280 EUR mehr Zinsen. Einen detaillierten Ratenplan erstellen Sie mit unserem Tilgungsplan-Rechner.
Die Restschuldversicherung: der versteckte Preistreiber
Viele Banken bieten beim Kreditabschluss eine Restschuldversicherung (RSV) an. Sie soll bei Tod, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit die Raten übernehmen. Klingt sinnvoll – ist aber extrem teuer.
Typische RSV-Kosten liegen bei 5–10 % des Nettokreditbetrags. Bei einem 20.000-EUR-Kredit zahlen Sie also 1.000–2.000 EUR extra. Diese Kosten werden meist auf den Kreditbetrag aufgeschlagen – Sie zahlen also Zinsen auf die Versicherungsprämie.
Achtung
Eine RSV ist niemals Voraussetzung für die Kreditvergabe. Seit Juni 2022 darf sie frühestens eine Woche nach Kreditabschluss angeboten werden. Wer bereits eine Risikolebensversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung hat, braucht keine RSV.
Bonitätsabhängige vs. bonitätsunabhängige Zinsen
„Ab 3,49 %" – das liest sich gut, gilt aber oft nur für Kunden mit perfektem SCHUFA-Score. Der tatsächliche Zins ist bei den meisten Banken bonitätsabhängig. Das bedeutet:
| SCHUFA-Score | Typischer eff. Zins 2026 |
|---|---|
| 97–100 % (sehr gut) | 3,49–5,49 % |
| 90–96 % (gut) | 5,49–8,99 % |
| 80–89 % (befriedigend) | 8,99–12,99 % |
| unter 80 % (mäßig) | Ablehnung wahrscheinlich |
Einige wenige Banken bieten bonitätsunabhängige Zinsen an – jeder Kunde bekommt den gleichen Satz. Der ist zwar etwas höher als der „Ab"-Zins, aber deutlich transparenter.
