So funktioniert ein Bausparvertrag
Ein Bausparvertrag besteht aus zwei Phasen. In der Ansparphase zahlen Sie regelmäßig Beiträge ein und erhalten dafür Guthabenzinsen. Sobald das Mindestguthaben erreicht ist (meist 40–50 % der Bausparsumme), wird der Vertrag zugeteilt. Dann folgt die Darlehensphase: Sie können das Bauspardarlehen in Anspruch nehmen – zu einem Zinssatz, der bereits bei Vertragsabschluss festgelegt wurde.
Die Bausparsumme setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem angesparten Guthaben und dem Bauspardarlehen. Bei einer Bausparsumme von 50.000 EUR und 40 % Mindestguthaben sparen Sie 20.000 EUR an und erhalten 30.000 EUR als Darlehen.
Beim Vertragsabschluss fällt eine Abschlussgebühr an – meist 1,0–1,6 % der Bausparsumme. Bei 50.000 EUR sind das 500–800 EUR. Diese Gebühr wird vom Guthaben abgezogen und schmälert die Rendite in den ersten Jahren erheblich.
Wohnungsbauprämie und staatliche Förderung 2026
Der Staat fördert das Bausparen mit zwei Instrumenten: der Wohnungsbauprämie und der Arbeitnehmer-Sparzulage. Beide sind an Einkommensgrenzen gebunden.
| Förderung | Höhe | Einkommensgrenze (ledig) | Einkommensgrenze (verheiratet) |
|---|---|---|---|
| Wohnungsbauprämie | 10 % auf max. 700 EUR/Jahr | 35.000 EUR | 70.000 EUR |
| Arbeitnehmer-Sparzulage | 9 % auf max. 470 EUR/Jahr | 40.000 EUR | 80.000 EUR |
Die Wohnungsbauprämie bringt maximal 70 EUR pro Person und Jahr (140 EUR für Ehepaare). Die Arbeitnehmer-Sparzulage ist nur für Arbeitnehmer verfügbar, deren Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen (VL) in den Bausparvertrag einzahlt – maximal 42,30 EUR pro Jahr.
Beide Förderungen zusammen ergeben bis zu 112,30 EUR jährlich für Singles. Klingt wenig, aber über 7 Jahre Ansparphase summiert sich das auf rund 786 EUR – ein netter Bonus auf das Guthaben.
Rechenbeispiel: Bausparsumme 80.000 EUR
Familie Meier möchte in 8 Jahren ihr Bad renovieren. Sie schließen einen Bausparvertrag über 80.000 EUR ab. Die monatliche Sparrate beträgt 350 EUR.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Bausparsumme | 80.000 EUR |
| Abschlussgebühr (1,0 %) | −800 EUR |
| Monatl. Sparrate × 96 Monate | 33.600 EUR |
| Guthabenzinsen (~0,25 % p.a.) | ~340 EUR |
| Guthaben bei Zuteilung | ~33.140 EUR (41,4 %) |
| Bauspardarlehen | ~46.860 EUR |
Das Darlehen über 46.860 EUR wird zu einem festen Zinssatz (z. B. 2,5 % p.a.) in rund 10 Jahren getilgt. Die monatliche Rate liegt dann bei ca. 440 EUR. Der Vorteil: Dieser Zins steht seit Vertragsabschluss fest – egal wie sich die Marktzinsen entwickeln.
Lohnt sich Bausparen 2026 noch?
Die Antwort hängt vom Zinsniveau ab. Bei hohen Marktzinsen (wie aktuell 3–4 % für Baufinanzierungen) ist ein Bausparvertrag mit einem garantierten Darlehenszins von 2,5 % attraktiv. Sinken die Marktzinsen unter den Bausparzins, verliert das Produkt seinen Reiz.
Für Förderberechtigte (unter den Einkommensgrenzen) lohnt sich Bausparen fast immer, weil Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage die mageren Guthabenzinsen kompensieren.
Für Gutverdiener ohne Förderanspruch ist oft ein Annuitätendarlehen mit Sondertilgungsoption die bessere Wahl. Die Abschlussgebühr und die niedrigen Guthabenzinsen in der Ansparphase machen den Bausparvertrag dann unrentabel.
Häufige Fehler beim Bausparen
Bausparsumme zu hoch gewählt
Hohe Bausparsumme = hohe Abschlussgebühr + lange Ansparphase. Wählen Sie die Summe passend zum tatsächlichen Finanzierungsbedarf.
Förderung nicht beantragt
Die Wohnungsbauprämie muss jedes Jahr separat beantragt werden. Viele vergessen das und verschenken bares Geld.
Bausparvertrag als reine Geldanlage
Die Guthabenzinsen liegen bei 0,01–0,25 % p.a. Ohne den Wunsch nach einem Darlehen oder staatlicher Förderung ist Bausparen als Sparprodukt unattraktiv.
